Sie möchten ein wenig mehr über Eike Schniebs wissen?
Na gut.
Dann lesen Sie frohen Mutes dieses Interview.
"Geboren?"
"Bin ich!"
"Wo, wann, warum?"
"In Dippoldiswalde/Sachsen am 05.11.61. Sechs Monate später zog unsere Familie in die wunderschöne Oberlausitz. Die Kindheit verlebte ich sehr glücklich, daran änderte auch die Einschulung 1968 nichts. Meine Konfirmation 1976 brachte mich der christlichen Jugendarbeit nahe. Über viele Jahre war ich in der Gemeinde und im Kirchenkreis Zittau sehr aktiv. In der Zeit bildete sich zunehmend meine kritische Haltung zum "Arbeiter- und Bauernstaat" heraus."
"Und, ne kleine Freundin?"
"Na klar!"
"Namen?"
"Verrat ich nicht. Nach dem Abschluß der Polytechnischen Oberschule im Jahre 1978 begann ich mit der Berufsausbildung zum Kfz.-Schlosser im väterlichen Betrieb. Gleichzeitig trat ich aus der FDJ aus."
"Was ist denn das?"
"Na, die "Freie Deutsche Jugend", das war die sozialistische Jugendorganisation in der DDR.
In ihrem Selbstverständnis war sie die Kampfreserve der Partei. Dann die Musterung zum Ehrendienst bei der NVA. Ich lehnte den Dienst mit der Waffe auf Grund meiner christlich-pazifistischen Haltung ab"
"Streß gehabt?"
"Während der Musterung mächtigen.
Die Berufsausbildung schloß ich 1980 ab. Zwei Jahre später arbeitete ich mit einem Freund im Rahmen eines Diakonischen Jahres für die Landeskirche Sachsen. In diese Zeit fielen auch einige Ereignisse, die mein Verhältnis zum Herrgott nachhaltig störten."
"Was war das?"
"Eine Reihe von Enttäuschungen. Sie waren auch der Grund, weswegen ich das geplante Fachschulstudium zum Kinder- und Jugenddiakon nicht angetreten habe. Irgendwann hatte ich auch vom DDR-Regime die Nase voll. Das hieß: Ausreiseantrag 1984. Die Hochzeit war ebenfalls 1984, die Geburt des ersten Sohnes 1985. Tja, und dann kam der Gründonnerstag 1987."
"Am nächsten Tag war Feiertag."
"Das auch, du Knaller! Dieser Gründonnerstag bleibt mir immer in Erinnerung, ich bekam den Einberufungsbefehl zur NVA. Das war die Rache des Regimes. Solchen "Staatsfeinden" die den Ehrendienst nicht bei den bewaffneten Streitkräften leisten wollten, die Gnade der späten Einberufung zukommen zu lassen. --- Aber auch das verging. Und positiv: Ich habe dort mehrere Freunde für´s Leben gefunden."
"Nichts ist höher einzuschätzen als Freundschaft."
"Da hast du recht. Nun kam ein bedeutendes Jahr: 1989."
"Die Wende, die Grenzöffnung?"
"Langsam, langsam. Für meine Familie und mich öffnete sich die Grenze etwas eher. Wir bekamen im Mai die Ausreise nach Berlin-West. Von dort ging die ungewisse Reise weiter in den Kreis Marburg-Biedenkopf. Dann folgte Schlag auf Schlag."
"Kann ich mir vorstellen. Neuer Job?"
"Wohnungssuche. Neuer Job. Tausend Beamtengänge. Und dann die Geburt meiner Tochter 1990 und die des zweiten Sohnes 1991. Auch der Hauskauf fiel in diese Monate. Eine alte Hütte, die wir Stück für Stück aufbauten."
"War das alles nicht ein bisschen viel auf einmal?"
"Ja. Etwas später fing ich in einer Amateur-Theatergruppe an. Ein Ausgleich zur vielen Arbeit. Aber die Gruppe zog mich so in ihren Bann, dass ich viel zu viel freie Zeit für sie aufbrachte. Wir spielten Stücke wie "Bunbury" von Oscar Wilde, "Geschlossene Gesellschaft" von Satre, "Bluthochzeit" von Lorca und andere."
"Upps, ziemlich anspruchsvoll."
"Ja. Aber irgendwann wuchs mir alles über den Kopf. Im Frühjahr 2001 hatte ich meine letzte Aufführung. Und seitdem widme ich mich wieder mehr dem Schreiben. Bücher spielten in unserer Familie immer eine große Rolle. Ich begeisterte mich frühzeitig für das Lesen."
"Aber das Selberschreiben, wann kam das?"
"Jetzt bitte nicht lachen. Als Kind hatte ich das dringende Bedürfnis, berühmt zu werden. Da ich es weder in Musik oder im Malen zu einer noch so geringen Meisterschaft brachte, blieb nur - nun - das Schreiben. Und nicht nur kleine Geschichten, neinnein, es sollte gleich ein richtiges Buch werden. Zuerst versuchte ich es mit einem Krimi. Später regte mich ein Roman über eine Deutsche Dogge zu einem Buch (natürlich!) über unseren Boxerhund an. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass das Schreiben richtige Arbeit ist."
"Dieses Hundebuch gibt es nicht?"
"Nein, natürlich nicht. Andere Interessen schlichen sich in meine Freizeit. Eine davon hieß Ulrike. Sie wurde der Grund meiner ersten großen Erzählung, die ich wirklich fertig stellte. Damals war ich 16 Jahre alt."
"Aber es ging doch viel weiter."
"Hier in der neuen Heimat fand ich neue und interessierte Freunde. Einige davon waren der Meinung, die Texte hätten einen größeren Bekanntenkreis verdient. Ich hatte erste öffentliche Lesungen, die ausgesprochen gut ankamen. Und dann die Suche nach einem Verlag. Im Jahre 1999 erschienen die Ausgewählten Erzählungen unter dem Titel "Der Tunnelflieger" und die Gedichte heißen "Funkenflug"."
"Zwei Bücher in einem Jahr, ist das nicht unklug?"
"Auf der einen Seite schon. Andererseits hatte ich die Chance, den Kreis beim Literaturaustausch in Linz zu vertreten. Träger davon sind die "Neue Literarische Gesellschaft Marburg-Biedenkopf" und die Literaturvereinigung "Linzer Frühling" in Zusammenarbeit mit der Stadt Linz und der Regierung des Landes Oberösterreich. Und dort konnte ich beide Bücher vorstellen."
"Das klingt nach einem echten Höhepunkt."
"Das war auch einer! Seither hatte ich einige Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Im Jahr 2000 gingen die Gedichte in die 2. Auflage. Das hat mich sehr gefreut."
"Und jetzt ist beim Künstler die Luft raus...."
"Aber nein. - Im Jahr 2002 erschienen zwei Anthologien, an denen ich jeweils mit einem Text beteiligt bin."
"Wo bleibt der große Wurf?"
"Gute Frage. Vielleicht sollte ich erst einen Ausblick auf die nächsten Projekte geben."
"Ich dachte, da kommt nichts mehr."
"Nicht so vorlaut bitte! - Mit zwei Musikern (Gitarre, Bass, Gesang) habe ich ein Programm "Literatur - Rock & Blues" erstellt. Damit tingeln wir seit Herbst 2007 zunehmend erfolgreich durch Land und Städte. Natürlich auch, um meine Bücher bekannter zu machen. Mittlerweile erweitern wir unseren Wirkungskreis beträchtlich, will sagen, wir sind auch außerhalb der Grenzen der engeren Region aktiv. Worauf ich noch verweisen möchte: Bei jedem Auftritt gibt es neue Texte zu erleben und entsprechend auch andere Musik-Titel. Wir sind sehr kreativ!"
"Es war von Projekten die Rede!"
"Du bist schwer am Drängeln."
"Muss ich ja, sonst wirst Du nie fertig."
"Also gut: Ich habe eine Reihe von Katzentexten geschrieben und habe auch Illustrationen dafür. Leider konnte ich bisher keinen Verlag dafür finden. Hierzulande gibt man unbekannteren Autoren selten eine Chance. Da heißt es: Weiter kämpfen!"
"Weiter, weiter."
"Zweites größeres Projekt: Ein Manuskript für ein Buch mit erotischem Einschlag ist fast fertig."
"Weiter, weiter, weiter!"
"Ich arbeite zusätzlich an einigen Erzählungen und beteilige mich an Literatur-Wettbewerben. Bei letzteren habe ich einige gute Platzierungen erreicht, und es finden immer wieder Texte in die entsprechenden Anthologien. Ein Blick auf die Seite "Die Bücher" zeigt Dir, dass ihre Anzahl stetig zunimmt. - Wie Du schon sagtest: Es geht immer weiter."
"Danke für dieses Gespräch, auch wenn 's bisschen lang war."
