Alle legen sich nackend in ihre Betten und schlafen gleich ein.
Abends wollen sie den Yachthafen besichtigen. Vorher aber gehen sie nach links zum Strand. Der Sand ist noch warm, sie ziehen die Schuhe aus. Die Kinder rennen nach vorn, wo die Wellen ruhig auf das Ufer schwappen. Die Eltern gehen langsam Hand in Hand Schritt für Schritt, bis sie mit den Füßen im Wasser stehen. Sie wenden sich einander zu und umarmen sich. "Endlich." sagt sie. "Es ist das Wasser des Atlantik, das unsere Füße umspült. Wie lange haben wir davon geträumt!" Er drückt sie fest an sich und nickt. Die Kinder toben. Bis zu den Hintern sind sie naß, aber die Abendluft wärmt noch. Jetzt zum Hafen! Die Jungs sind begeistert von den vielen Schiffen, die dichtgedrängt an den Stegen vertäut sind. Die Masten der größten scheinen am Himmel zu kratzen.
Schon für den nächsten Tag ist ein Ausflug an den südwestlichsten Zipfel Europas, den Cabo Sáo de Vicente geplant. Nach dem Frühstück geht es los, immer auf der Straße Nummer 125 gen Westen. Unterwegs erfreuen sie sich stets von Neuem an den herrlichen Palmen und der Blütenpracht der großen Oleanderbüsche und Hibiskushecken. Alles ist so neu, so bestaunenswert und birgt so viele Überraschungen. Zum ersten Mal machen sie Urlaub im Süden!
Jens fährt konzentriert. Das ist mehr als nötig, denn der Verkehr ist dicht und die Fahrweise der Portugiesen zumindest gewöhnungsbedürftig.
In der Stadt Portimào jubilieren die Kinder vor Begeisterung. Mitten auf einer großen Kreuzung stehen zwei berittene Polizisten mit prächtigen Rappen unter den Hintern und regeln den Verkehr. Ein ungewöhnlicher Anblick, der für viel Gesprächsstoff auch bei den Eltern sorgt. Nur wenige Kilometer, nachdem sie die letzten Häuser der Stadt hinter sich gelassen haben, ein Schrei Sabrinas: "Achtung! Der Laster!" Von rechts biegt plötzlich ein Lkw auf die Straße, ohne sich um den Verkehr zu kümmern. Jens steigt erschrocken in die Bremsen und reißt das Lenkrad nach links. Von hinten ertönt wildes Hupen. Ihm bricht der Schweiß aus.
Auch an den Ampelkreuzungen gibt es immer wieder das große Wundern. Die zwei älteren Jungs sagen: "Papa, die fahren ja, wie die wollen. Es ist doch Rot!"
Jens hat keine Zeit für eine Antwort, es hupt wieder. "Mannomann!" stöhnt er. Sabrina beruhigt ihn. "Bleib gelassen. Du bist so viele Jahre unfallfrei gefahren. Das lassen wir uns auch an der Algarve nicht nehmen." Am Cabo de Sáo Vicente dann eine ganz andere Überraschung. "Mama, mir ist kalt." Nur zufällig liegen Jacken im Auto, denn als sie losgefahren sind, hat das Thermometer 33°C gezeigt.

