Wer bist du, der du so oft auf leisen Sohlen angeschlichen kommst? Ach, du widersprichst mir schon.
Du kommst nicht nur auf leisen Sohlen, sondern häufig auch mit Gedonner und Getöse. Ich weiß, aber dann haben dich ein paar von diesen Verrückten gerufen, von denen unsere schöne Erde wohl nie ganz verschont bleibt. Dann wird, so schlimm das ist, mit dir gerechnet.
Ruhelos bist du, Tag für Tag unterwegs. In jeder Familie, in jedem Haus gehst du ein und aus. Nicht oft, aber du hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Schmerzensschreie hallen durch die Räume. Kummer und Wehklagen lösen dein Erscheinen aus. Manchmal macht sich Bitternis breit in den Betroffenen und fast immer Unverständnis. Die Tränen fließen.
Glaube nur nicht, ich hätte noch nie versucht, mit dir gedanklich Kontakt aufzunehmen. Natürlich nicht, damit du zu mir oder den Meinen kommst! Ich wollte mich daran gewöhnen, dass es dich gibt. Ich wollte mir bewusst machen, dass jeder unausweichlich irgendwann mit dir zu tun hat. Und - das ist eigentlich der Hauptgrund - ich wollte nicht unvorbereitet sein, wenn du vor mir stehst. Doch hat der Alltag seither viele der guten Gedanken von damals verschlungen. Das merke ich jetzt, wo ich mit dir spreche.
Das Problem ist bekannt. Jeder weiß, dass es dich gibt. Aber niemand will es wahrhaben. Du gehörst zum Leben dazu, trotzdem hat man dich weggeschickt und aus dem Alltag verbannt. Du wirst eingesperrt in Krankenhäuser und Altenheimen. Du lachst. Als ob du dich einsperren lassen würdest! Eben. Wieviele tausende Male zum Beispiel begegnet man dir auf offener Straße.
Du bist schon ein Fuchs. Dir ist einfach nicht beizukommen. Manchmal kündigst du dich Monate vorher an. Oder du stehst unverhofft vor der Tür.
Jetzt ist es passiert.
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