Immer noch unsicher lächelnd kam Schwalbe mit drei Gläsern und einem Sechser-Pack Bier zurück. Er rückte den Hocker als Tischersatz in die Mitte und stellte alles drauf. Er setzte sich auf den Stuhl, die beiden anderen hatten inzwischen auf dem Bett Platz genommen. Nach einem Blick auf die Gläser erhob Interthal die Flasche: „Mensch Achim, du weißt doch, wir sind Flaschenkinder! Auf deinen Geburtstag, auf deine Gesundheit! Prost!“
Bier hatte Schwalbe genügend eingeholt, nur als er sagte, er wolle zum Abendessen Brote schmieren, entschieden sich die beiden Anderen, einen Pizza-Dienst anzurufen.
Nach dem Essen stellte Schwalbe das Radio an. Sie redeten, spielten auch paar Runden Skat. Plötzlich straffte sich Schwalbe und begann zu erzählen. Sein Vater hätte die Familie verlassen, als er neun war. Er hielt die Trägheit der Mutter und ihr Unvermögen, mit Geld umzugehen, nicht mehr aus. Sie mussten kurze Zeit später die große Wohnung aufgeben, kamen dann in dieses Loch. Das Jugendamt wäre aus- und eingegangen und auf Betreiben der dortigen Mitarbeiter sei er mehrere Jahre in ein Heim gekommen. Er liebe seine Mutter, aber sie würde immer wieder trinken und baue immer mehr ab. Schwalbe schluckte.
Er stand auf und kramte im Schrank. Mit einem Album kehrte er zurück, setzte sich und blickte unschlüssig die Freunde an. Schließlich reichte er es mit leuchtenden Augen Hein hinüber. Der schlug es auf den Knien auf. Interthal sah interessiert mit hinein. Je weiter Hein blätterte, umso mehr wuchs die Bestürzung der Beiden. Das Buch war voll von Ausschnitten aus Zeitschriften und Illustrierten, und es zeigte immer den gleichen Typ von Mädchen oder jungen Frauen. Alle hübsch, mit schwarzen Haaren, groß und schlank, mal toll angezogen, mal spärlich bekleidet.
Alkohol lockerte die Zunge, und so erfuhren sie, ihr Freund Hans-Joachim hatte noch nie ein Mädchen.
Auf dem Heimweg unterhielten sie sich und waren fassungslos und überlegten, ob und wie man dem Freund helfen könne. Wer die Idee dann hatte, war später nicht mehr heraus zu bekommen. Jedenfalls beschlossen sie, für Schwalbe einen Bordellbesuch zu organisieren und zu finanzieren. Es sollte eine Frau sein, die seinem angehimmelten Typ entsprach und sich bereit erklärte, einen so unbedarften Mann wie Schwalbe in die Geheimnisse der Sexualität einzuweisen.
Schon für den nächsten Abend verabredeten sie sich und machten sich auf den Weg. Dabei mussten beide große Hemmungen überwinden, denn sie selbst waren noch nie in einem entsprechenden Etablissement. Schon im zweiten Haus wurden sie fündig. Eine hübsche, dunkelhaarige Polin namens Katja erklärte sich lächelnd dazu bereit. Mit ihrem Alter von sechsundzwanzig Jahren schien sie auch erfahren genug. An einem Tisch besprachen sie gemeinsam die Vorgehensweise. Sie würden zu dritt kommen, was trinken und Katja solle sich nach einiger Zeit ganz ungezwungen hinzugesellen. Hein und Interthal würden nacheinander so tun, als würden sie mit anderen Mädchen aufs Zimmer gehen. Dann hätte sie, Katja, freie Bahn. Interthal sagte: „Wir vertrauen dir und bezahlen im Voraus. Danke, dass du uns hilfst.“

